Der Bautag


Bei vielen Schülern musste es schon von Beginn weg schnell gehen. Hoffentlich sind die Schuhe dann auch bequem, wenn 2 cm mal 4 oder nur 0,5 cm sind!
Das Lederschneiden wurde zur Kraftprobe. Viele von uns holten sich dabei blaue Handflächen und schmerzende Finger.

Langsam nimmt der Schuh gestalt an. Aber auch die Zeit ist schon vorgerückt. Wir haben etwa 3 Stunden Rückstand, was sehr schwer einzuholen ist.


Nun können die ersten das Innengeflecht knüpfen und anschliessend das Oberleder anpassen und mit den dünnen Riemen einnähen.



Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, unsere Schuhe auch ein erstes Mal auszuprobieren. Sieht nicht schlecht aus, aber sind sie auch bequem. Viele zweifeln daran.

Die Woche

Montag

Letzte Vorbereitung vor dem Start: Unsere Ötzischuhe werden nochmals mit Heu gestopft. Dann geht es endlich los!

Zügig geht es voran. Doch schon nach 2 km müssen die ersten wunden Stellen verarztet werden. Wie sollen wir das noch mehr als 120 km durchstehen?


In Oey sind auf unseren Schuhunterseiten schon deutlich die Fussabdrücke erkennbar. Wir haben Bedenken, ob unsere 4 mm dicken Lederuntersohlen die Woche überstehen. In der Landi decken sich drei Teilnehmer mit Autoapotheken ein. Wie sich herausstellen wird, reicht ihnen der Inhalt nur bis am Mittwoch.


Die nicht immer einfachen Wegverhältnisse setzen unseren Schuhen zu. Der Teerbelag schleift schon am ersten Tag bei vielen unserer Schuhe die Lederriemen durch. Gut haben wir daran gedacht und jeder von uns hat mindestens zwei Ersatzriemen dabei.

Es zeigt sich auch, dass das Innengeflecht aus Naturfaser unseren Füssen ganz schön zusetzt. Schon am ersten Tag unserer Wanderung müssen wir unsere Füsse einbinden um ein weiteres Aufreiben der Haut zu verhindern.

Kurz vor dem Ziel und am Ziel. Die ersten 22 km sind geschafft! Bei der Familie Fredel und Veronika Treuthard in Weissenburg werden wir herzlich aufgenommen und die Crepeuse Margrit verwöhnt uns mit einer Vielzahl von verschiedenen Crepes.

 

Dienstag

Kurz nach dem Morgenessen geben fünf Schüler auf. Sie können sich nicht vorstellen den Dienstag mit 26 km und 600 Höhenmetern zu überstehen.
Auf kiesigen Wegen geht es der Simme entlang weiter. Das Wetter ist strahlend schön, aber auch heiss. Immer wieder gibt es kleinere Reparaturen. Auch müssen wir uns von Nadine verabschieden. Sie hat tapfer gekämpft aber ihre Füsse machten nicht mehr mit.

Nun steigt es an und schon bald haben wir eine herrliche Aussicht über das Tal. Unsere Ötzischuhe erweisen sich als weniger rutschig als wir erwarteten. Einzig auf trockenem Laub oder Grass rutschen wir aus.

Auf ca. 1500 m über Meer überqueren wir die ersten Schneefelder. Wie wir den ersten Kontakt mit dem Schnee erlebten zeigt folgender Film. (86 MB)

Kurz darauf erreichen wir unser Tagesziel das Sparenenmoos. Die Schuhe und die Verbände sind zwar durchnässt und schmutzig, trotzdem sind wir zuversichtlich die Schneetour über das Hahnenmoss am Donnerstag schaffen zu können.

Nach dem Nachtessen werden wiederum die Schuhe repariert.

 

Mittwoch

In Zweisimmen verabschiedet sich Joel. Er kann sich nicht mehr motivieren weiterzugehen. In St. Stephan kann auch Sven nicht mehr. Er hat tapfer gekämpft, aber die körperlichen Probleme zwingen ihn zum Aufgeben.

Jeder von uns hat mal ein Tief, so dass er am liebsten sterben würde. Wir motivieren uns gegenseitig und wandern weiter Richtung Lenk.

Nach einem zähen Aufstieg (700 Höhenmeter) erreichen wir den Bühlberg ob der Lenk.

Hier übernachten wir auf einem Bauernhof im Massenlager.



Donnerstag

Am Donnerstagmorgen werden die Schuhe mit neuem Heu gefüllt und die Hosen mit Wadenbinden eng an die Beine gebunden. So sollte sicher gestellt sein, dass beim Aufstieg zum Hahnenmoos der Schnee keine Erfrierungen verursacht.


Wir sinken nur stellenweise ein. Meist ist die Schneedecke hart und gut begehbar. So kommen wir rasch voran.
Jede schneefreie Insel wird für eine kleine Rast auf "warmem Boden" ausgenützt. Froh, den Aufstieg geschafft zu haben, erreichen wir die Passhöhe auf knapp 2000 m ü. M. Hier können wir uns etwas ausruhen.
Dieser Film (26 MB) zeigt ein paar Eindrücke vom nicht ganz einfachen Abstieg.

Schon bald nach dem Passübergang betreten wir wieder trockenes Terrain. Dem Engstligental entlang geht es weiter nach Achseten, wo wir auf dem Heuboden der Familie Maurer übernachten.
Das feine Nachtessen kochte und brachte uns Gaby Stämpfli. Anschliessend wurden, wie jeden Tag, Füsse verarztet und Schuhe geflickt.


Freitag

Nach Frutigen hinunter folgen wir der steilen und dadurch mühsam zu begehenden asphaltierten alten Adelbodenstrasse. Im Garten der Familie Trachsel in Frutigen erhielten wir eine Zwischenverpflegung. Hier besuchte uns auch das Lokalfernsehen "TeleBärn", welches schon am Montag einen Beitrag zum Start unserer Tour einen Beitrag sendete.


Der Kander entlang zog es sich noch unendlich weit bis wir schliesslich Spiez erreichten.


Unser Schuldirektor, das Sekretariat, viele Schüler, die Abwartsfamilie und einige Angehörige bereiteten uns einen herzlichen Empfang. Für alle stand ein Fussbad bereit - herrlich!


Wir hattten es also geschafft. 125 km in selbstgebauten Ötzi-Schuhen. Eine tolle Leistung.